Geschichte der Kelten

Im Laufe des 5. Jh. v. Chr. beginnt mit der Latènezeit, dem jüngeren Abschnitt der Eisenzeit, eine neu Ära, die nach einer keltischen Opferfundstelle in La Tène am Neuenburger See in der Westschweiz benannt wurde. Träger dieser Kultur waren die Kelten, deren zahlreiche Stämme untereinander um die Vorherrschaft kämpften.

 

Zum ersten Mal wurden die Kelten im frühen 6 Jh. in einem Reisebericht erwähnt. Die tiefsten Einblicke in die keltische Gesellschaft verdanken wir Poseidonios, einem Stoiker des 1. Jhs. v. Chr. Außerdem besitzen wir die Schriften Julius Caesars, der zwischen 58 und 51 v. Chr. eine Reihe erbitterter Feldzüge gegen die Kelten Galliens und Brittaniens führte. Schon im 4. Jh. zählten die Kelten, neben den Persern und Skythen, zu den bedeutendsten barbarischen Völkern der damaligen Welt, in den Augen griechischer und römischer Schriftsteller also ein Volk, das keine Kultursprache besaß. Der Kelte wird als groß, kräftig, intelligent, hitzig geldgierig und trunksüchtig geschildert. Ebenso ist er offen, ehrlich, hilfsbereit aber auch prahlerisch und eitel. Er hat eine Vorliebe für bunte Kleidung und Schmuck. Voll Todesverachtung stürzten sich die Krieger nackt, nur mit Schwert und Schild bewehrt ins Gefecht. Sie pflegten auch den barbarischen Brauch den unterlegenen Feinden den Kopf abzuschneiden und ihn zu Hause als Schaustück aufzubewahren. Sie hatten eine Dreiklassengesellschaft (Caesar): die feudale Adelsschicht, die Priesterkaste der Druiden und die Masse der Bevölkerung.

 

Die Jahrzehnte um 500 v. Chr. waren in ganz Europa von außenpolitischen Umwälzungen und sozialen und religiösen Veränderungen geprägt, es setzte ein Neubeginn in nahezu allen Lebensbereichen der Kelten ein. Im 4. Jh. waren Überbevölkerung, innere Zerstrittenheit durch große soziale Unterschiede oder die Verlockung der südlichen Lebensweise mögliche Gründe für weit reichende keltische Wanderungen. Bewaffnete Gruppen strömten über die Alpenpässe in die Poebene, griffen Rom an, vernichteten um 387 v. Chr. das römische Heer am Flüsschen Allia und drangen später bis nach Apulien vor. Um die Wende des 5. zum 4. Jh. besetzten die Kelten auch die reichen Zentren im Donaugebiet und drangen weiter in das Karpatenbecken ein. Heftige Einfälle richteten sich nach Südosten, bis nach Thrakien und über Thessalien bis nach Griechenland. Ein Teil der Kelten erreichte sogar Kleinasien (Galatia). Die größte Ausdehnung des keltischen Siedlungsraumes war zu Beginn des 3. Jhs. v. Chr. erreicht. Er umfasste die Gebiete zwischen Irland im Westen und Kleinasien im Osten.

Verbreitungskarte der Kelten
Verbreitungskarte der Kelten

Erst nach langer Zeit gelang es den Römern, dem gallischen Ansturm Einhalt zu gebieten. 295 v. Chr. besiegten die Römer die Kelten in der Schlacht von Sentinum in Umbrien. Im Jahr 225 v. Chr. unterwarf Rom bei Telamon in Etrurien auch die Kelten in der Poebene und begann die allmähliche Besetzung Norditaliens. Im Jahr 192 v. Chr. nahmen die Römer den gallischen Stützpunkt Bologna ein, und 82 v. Chr. erhielt Norditalien unter dem Namen Gallia Cisalpina den Status einer römischen Provinz. Auf dem Balkan mussten sich die Kelten nach dem verlorenen Angriff auf Delphi 279 v. Chr. wieder in den mittleren Donauraum zurückziehen. Die ein Jahr später den Hellespont überquerenden und in der Mitte Kleinasiens angesiedelten Kelten (Galater) wurden im Jahr 235 v. Chr. ebenso vernichtend geschlagen.

 

In der Zeit von 58 - 51 v. Chr. führte Caesar in Gallien einen siebenjährigen Krieg gegen die Kelten und blieb in seinen zahlreichen Schlachten fast immer siegreich. Aus dieser Situation heraus schlossen sich die Keltenvölker Galliens erstmals unter dem dreißigjährigen Arvernerfürst Vercingetorix zusammen und waren lange Zeit erfolgreich. Jedoch bei der Schlacht um Alesia 51 v. Chr. musste der Gallierführer schließlich kapitulieren. Das Land verlor seine Unabhängigkeit und wurde von römischen Truppen besetzt. Unter Kaiser Augustus wurde Gallien 27. v. Chr. schließlich in drei Provinzen geteilt. Es bildete sich eine gallo-römische Mischkultur, in der eine hoch entwickelte Wirtschaft blühte.

 

Auch ein Teil der keltischen Siedlungszone rechts des Rheins fiel kurz vor der Zeitenwende in die Hände Roms. Im Jahr 15. v. Chr. eroberten die Stiefsöhne des Kaisers Augustus (31 v. - 14 n. Chr.), Tiberius und Drusus, fast den ganzen Alpen- und Voralpenraum bis hinauf zur Donau. Sie gründeten die römische Provinz Rätien, die ähnlich wie Gallien aufblühte.

 

Im heutigen Gebiet von Kärnten und Slowenien entstand das Regnum Noricum, ein Bündnis zahlreicher Stämme und Völker, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander und unter der Herrschaft eines norischen Königs standen, und wurde Mitte des 1. Jh. n. Chr. zur eigenständigen Provinz.

 

Seit dem späten 2. Jh. v. Chr. stießen germanische Gruppen aus Norddeutschland nach Süden vor und verdrängten die Kelten aus ihren Gebieten. Um 113 v. Chr. wehrten die Boier den Ansturm der germanischen Kimbern ab. Im östlichen Donauraum hatten die Daker unter ihrem König Burebista schon um 60 v. Chr. keltische Stämme unterworfen und ihrer Kultur ein Ende bereitet. Auch die Siedlungsgebiete der keltischen Boier im heutigen Tschechien wurden um 25. v. Chr. von Germanen unter Marbod erobert.

 

Auf diese Weise waren die Kelten um die Zeitenwende auf dem ganzen Festland als unabhängige politische und kulturelle Kraft vollständig verschwunden. Zerrieben zwischen den Vorstößen der beiden Mächte, den Römern und Germanen, die von Süden und Norden ins Zentrum des Kontinentes drängten. Unabhängige und freie keltische Völker existierten von da an nur noch in Irland und in Brittannien.